Das Ohr

www.fotolia.de

Chirurgisches Nahtmaterial, Bandagen und Wundauflagen mit besonderen Eigenschaften, aber auch Implantate aus textilen Werkstoffen sind heute kaum noch wegzudenken.

Selbst textiler Organersatz ist inzwischen Realität geworden. Richtig gelesen: Mittlerweile ist es zum Beispiel möglich, eine verletzte Ohrmuschel durch Vliesmaterialien zu ersetzen. "Tissue Engineering" heißt das Zauberwort. Dabei dienen Vliesstoffe gleichsam als Trägermaterial für Kulturen zur "Züchtung" der Hautzellen des betroffenen Patienten, die später zerstörtes Hautgewebe ersetzen sollen. Knorpelzellen lassen sich in einem dreidimensionalen Vliesstoff vermehren und können später an passender Stelle - wie eben in unserem Beispiel als Ohrmuschel - eingesetzt werden. Und es geht noch weiter: Sogar Bauchspeicheldrüsen oder Lebern lassen sich bald durch den Einsatz von Vliesstoffen in ihrer Funktion nachbilden. Dafür wird aus Textilfasern in Kombination mit Membranen eine Art Organgerüst gebaut, in das dann Drüsenzellen, so genannte Inselzellen, eingesetzt werden, die - in den menschlichen Körper implantiert - die komplette Funktion des Organs übernehmen können. Textile Gefäßprothesen oder textile Schlauchmaterialien als Aderersatz sind dagegen keine Zukunftsmusik mehr, sondern seit Jahren medizinischer Alltag.