Jahreswechsel 2019 / 2020: Branche, Themen und Perspektiven – Rück- und Ausblicke

www.pixelio.de

Die Rahmenbedingungen für den Maschinenbau sind von großen Unsicherheiten geprägt. International nimmt der Protektionismus weiter zu, eine Beilegung des US-chinesischen Handelskonfliktes ist auf Sicht nicht zu erwarten.

Die Konjunkturtalfahrt hat sich bis zum 3. Quartal fortgesetzt. Eine durchgreifende Marktbelebung ist noch nicht absehbar. Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung weiter voran. Sie ist eine Herausforderung für bestehende Prozesse und tradierte Strukturen, eröffnet aber gleichzeitig die Chancen für neue Leistungen und Geschäftsmodelle. 

Shutterstock

Digitalisierung umsetzen
Der VDMA begleitet die Projekte seiner Mitglieder zur Digitalisierung mit zahlreichen strategischen wie auch praktischen Initiativen, Studien und Leitfäden. Jüngste Beispiele sind ein Whitepaper, das Hilfestellung beim Einstieg in Big Data-Projekte gibt und die Herausforderungen sowie die Chancen des notwendigen Unternehmenswandels beleuchtet. Oder, ein Online-Tool für den Selbsttest zur Frage: Wie fit sind Sie für Industrie 4.0? Antworten darauf liefert der "Kompetenzcheck 4.0". Dies basiert auf einer Studie der VDMA-Impulsstiftung zur Ingenieurausbildung für Industrie 4.0, in der erstmals ein diesbezügliches Soll-Profil für Ingenieure entwickelt wurde.

Und, die mittlerweile sehr gut genutzte VDMA Startup-Machine hilft Mitgliedern ganz praktisch dabei, eine neue und oft andere Innovationskultur in die Unternehmen hinein zu transportieren. Dafür unterstützt der VDMA Mitglieder mit dem Startup-Radar beim Screening von globalen Startup-Trends und Aufspüren passender Kooperationspartner aus der internationalen Startup-Szene. 

Steuerliche Förderung und Bürokratie
VDMA-Präsidenten und Unternehmer im Ehrenamt haben immer wieder dafür gekämpft, nun endlich kommt die steuerliche Forschungsförderung ab dem 1.1.2020! In einer vom VDMA beauftragten Studie schätzt das ZEW das jährliche Fördervolumen allein für den Maschinenbau auf 310 Mio. Euro. Übrigens, der VDMA-Online-Rechner erlaubt eine erste Abschätzung der Fördersumme. 

Dicke Bretter muss die Interessensvertretung im VDMA auch rund um das Thema ausufernde Bürokratie bohren. Gut gemeint ist oft leider nicht gut gemacht. Dies fängt bei der Entsenderichtlinie an und hört auch für Mittelständler bei den möglichen Begleiterscheinungen zum Nationalen Aktionsplan Menschenrechte nicht auf. 

Klimapolitik, 5G-Netz, Nachwuchsstiftung Maschinenbau
In der Klimapolitik bezieht der VDMA Stellung. Mit dem aktuellen Sammelsurium an Abgaben, Steuern und Umlagen auf Energieträger werden die klimapolitischen Herausforderungen nicht bewältigt. VDMA-Präsident Carl Martin Welcker plädiert für eine CO2-Bepreisung auf alle Energieträger innerhalb eines marktwirtschaftlichen Systems. Mittel- bis langfristig muss der Markt über den CO2-Preis gesteuert werden. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, lautet „in a nutshell“ die Botschaft des VDMA-Präsidenten an die Politik.

In enger Zusammenarbeit mit insbesondere fünf weiteren Verbänden hat der VDMA das 3,7 – 3,8 GHz Band im 5G Spektrum von 3,4 bis 3,8 GHz für private Unternehmen ermöglicht. Nun beginnt die Vergabe der lokalen Frequenzen für die Industrie. Eine im VDMA neu gebildete 5G User Group wird einen Leitfaden "5G im Maschinenbau" in Kooperation mit dem Fraunhofer IIS erarbeiten. 

Mit großer Tatkraft kümmert sich die neu formierte Nachwuchsstiftung Maschinenbau um die gewerbliche Ausbildung. Eckpunkte ihrer Zwischenbilanz: Aktiv in 12 Bundesländern, 382 beruflichen Schulen, 675 Unternehmen: 1950 Ausbilder wurden bereits beraten! Wollen Sie dies nutzen, sprechen Sie den VDMA an!

ITMA 2019

ITMA Barcelona und CEMATEX
Branchen-Highlight 2019 war zweifelsohne die ITMA in Barcelona. Das Messegelände war nicht nur aus-, sondern überbucht. Noch nie haben derart viele Aussteller aus aller Welt (1.717 Aussteller und über 105.000 Fachbesucher aus 137 Ländern) den Ruf der ITMA als Leitmesse unter Beweis gestellt. 

Auf Beschluss des Vorstands der Walter Reiners-Stiftung (Peter D. Dornier, Roland Hampel, Markus Kleindorp, Benjamin Reiners, Georg Stausberg) wurden Studentenexkursionen zur ITMA organisiert und vom VDMA mit rund 100.000 Euro gefördert. Mehr als 300 Studierende von acht Hochschulen nutzten die Chance unter Leitung ihrer Dozenten in Barcelona Hightech live und zum Anfassen zu erleben. Die Nachwuchsingenieure hatten zusätzlich von Mitgliedsfirmen festgelegte Aufgaben zu Standdesign und -konzepten an die Hand bekommen, um bei der Vertriebstagung des Fachverbands im Oktober die Eindrücke der „jüngsten“ Besuchergeneration in puncto Atmosphäre, Vertrauen / Glaubwürdigkeit, Message und Exponate zu verdeutlichen.

Das Board des europäischen Textilmaschinengremiums Cematex hat zunächst auf ein Jahr befristet Frau Cornelia Buchwalder vom schweizerischen Verband kommissarisch als Generalsekretärin eingesetzt. Die Cematex Delegation des VDMA war mit Regina Brückner und Verena Thies im September in Hamburg Gastgeber einer Generalversammlung des Gremiums. Cematex-Präsident Fritz P. Mayer berichtete dort über die Verhandlungen mit den chinesischen Partnern zur Fortsetzung der ITMA ASIA ab dem Jahr 2022. Mit Blick auf die mittel- und langfristige Positionierung der Leitmesse ITMA wurde eine Strategiegruppe gebildet, der Unternehmensvertreter aus Belgien, Italien, der Schweiz sowie die Fachverbandsvorsitzende Regina Brückner angehören.

ITM/TU Dresden: Preisverleihung der Walter Reiners-Stiftung

Walter Reiners-Stiftung
Die Förder- und Kreativitätspreise 2019 der Walter Reiners-Stiftung des Textilmaschinenbaus verlieh der Stiftungsvorsitzenden Peter D. Dornier in Dresden an sechs Nachwuchstalente auf der International Textile Conference der Institute aus Aachen, Dresden und Denkendorf. Im nächsten Jahr wird die Konferenz in Stuttgart stattfinden. Der VDMA fordert, den Anteil der Teilnehmer aus der Industrie weiter zu steigern. Er hat deshalb offiziell geförderte (Einkäufer-) Reisen für die Partnerländer Spanien und Portugal beantragt. Den Teilnehmern wird die VDMA Initiative ein B2B-Programm mit Mitgliedsfirmen und den Besuch der Konferenz bieten.  

OPC UA und Industrie 4.0-Studie zur ITMA 2019
Der Interoperabilitätsstandard OPC UA gewinnt im Maschinen- und Anlagenbau zunehmend an Bedeutung. Er bietet die Möglichkeit, Komponenten, Maschinen und Systeme horizontal und vertikal zu vernetzen und zwar ohne jeweils spezifische Programmierung, sozusagen plug and play. 

Die herstellerübergreifende Kommunikation der Maschinen untereinander kann durch sogenannte „Companion Specifications“, eine Schnittstellenebene jenseits des unternehmensspezifischen und häufig vertraulichen Informationsaustausches, gewährleistet werden. Nach intensiver Diskussion im Vorstand des Fachverbandes im Frühjahr 2019 haben Mitgliedsfirmen unter Koordination des VDMA mit der Erarbeitung der ersten drei Companion Specifications begonnen. Bei den Projekten geht es um den Qualitätsdatentransfer in der Spinnerei und um Schnittstellenbeschreibungen: zwischen MES und Rundstrickmaschinen sowie für Energieerfassung und Energiemanagement in der Textilveredlung.

Auf Vorschlag der Technik-Geschäftsführer und Entwicklungsleiter im Textilmaschinenbau (Beirat Technik und Forschung, Vorsitzender Axel Pieper, Brückner Trockentechnik) hat der VDMA auf der ITMA Exponate und Leistungsversprechen von 40 chinesischen Ausstellern untersuchen lassen. In den sechs untersuchten Ausprägungen von Automatisierung und Digitalisierung stellten nur sieben Unternehmen Exponate im zweithöchsten Reifegrad 3 (von maximal 4) aus. Das Fazit der Beiratsmitglieder lautet: Die digitalen Leistungsangebote der chinesischen Aussteller in Barcelona zeigen nicht die disruptiven Veränderungen, die große chinesische Kunden u. a. mit branchenfremden Anbietern von Automatisierungstechnik vorantreiben.

Stockphoto

Geschäftsanbahnungsreisen und Techtextil
Der VDMA Textilmaschinen unterstützte Marketinganstrengungen und Akquise der Mitglieder mit einer Reihe von Geschäftsanbahnungen in Peru, Japan und Pakistan. Die Zielmärkte werden vorab im Messe- und Marketingausschuss (Vorsitzender Andre Wissenberg, Oerlikon Manmade Fibers) selektiert. Einen offiziellen Firmen-Gemeinschaftsstand gab es auf der Techtextil India. Für 2020 stehen Geschäftsanbahnungen und Symposien in Äthiopien (Februar), Algerien (Juni) sowie Honduras und Guatemala (November) auf dem Programm. Im Wachstumsmarkt Usbekistan können Mitglieder im September 2020 im Rahmen eines Firmen-Gemeinschaftsstandes auf der CAITME ausstellen. Einen solchen Pavillon wird es im Mai auch auf der Techtextil North America in Atlanta geben. 

Auf der nächsten Techtextil 2021 werden die Karten neu gemischt. Der Textilmaschinenbau wird in der neuen Halle 12 platziert. Der VDMA führte frühzeitig Gespräche mit der Messe Frankfurt und sicherte so eine attraktive, zentrale Fläche für einen VDMA-Gemeinschaftsstand. Mitglieder, die einen eigenen Stand präferieren, können in unmittelbarer Nähe platziert werden. Der Vorstand unterstützt die Initiative nachdrücklich, große Aussteller unter den Mitgliedern befürworteten das Konzept. Der VDMA-Gemeinschaftsstand wird gut angenommen. Bereits Anfang Dezember haben sich mehr als zehn Mitgliedsfirmen verbindlich angemeldet. 

Perspektiven
Die deutsche Textilindustrie richtet den Blick in die Zukunft! Die Ergebnisse aus fünf Expertenworkshops werden als Zukunftsstudie „Perspektiven 2035“ Anfang März 2020 veröffentlicht. Der Fachverband bietet eine exklusive Vorstellung und Vertiefung der Perspektiven 2035 für seine Mitglieder am 6. Mai 2020.

Zu den Zielen und Aufgaben für 2020 im Fachverband gehören auch Recycling und Kreislaufwirtschaft in der textilen Kette: Herausforderungen für den Maschinenbau, Forschung, Trends in den Kundenmärkten, Lösungskompetenzen unserer Branche und einiges mehr. 

Auf ein gemeinsames, erfolgreiches Jahr 2020!